[Imc-germany-editorial] Special- und Feature-Vorschlag
phost
phost at riseup.net
Mo Okt 15 04:57:44 PDT 2007
Hallo, etwas spät, aber nuja.
Meine bescheidene Meinung dazu ist diese, dass ich Indymedia als Alternative zu den normalen Medien verstehe und nicht
als alternativen Medium. Auch wenn es ähnlich klingt, ist dort doch für mich ein großer Unterschied. Zum Beispiel ist
die taz ein alternatives Medium, aber keine Alternative zu den normalen Medien. Nun, wo liegt also der Unterschied? Es
ist in meinen Augen so, dass die normalen Medien einer gewissen "Struktur" oder gewissen "Regeln" in ihrer Berichterstattung
folgen und auch gewisse Kriterien an die von ihnen gebrachten Berichte, Kommentare, etc. stellen. Eine Alternative zu
diesen Medien bietet zwar selbstverständlich auch Berichte etc., aber eben nicht in der Art und Weise wie die normalen
Medien, was auch bedeutet, dass mensch auch mal nicht so explizit auf jene Kriterien achtet, die in der ach so tollen
"normalen" Medienlandschaft gang und gebe sind.
Bei dem gesagten Beispiel ging es um die Seriösität von Indy. Es wäre nicht seriös, wenn eine Bildunterschrift wie
"Alle Bullen sind Schweine" benutzen würde. Ganz unabhängig davon, wie politisch korrekt oder inkorrekt jetzt die Äußerung
ist, so ist dies doch eher ein Kriterium der normalen Medien, die Indy ja eigentlich nicht kopieren will, weil sie eben,
auch von ihrer Struktur, schon gewisse Mängel bieten, und Indymedia ist ja eigentlich aus Gründen der Mangelhaftigkeit
der normalen Medien geschaffen worden.
Als Gegenargument wurde angebracht, dass ja durch die nahe Berichterstattung und das erlebte dieser Auspruch ein
Bauchgefühl sei und Indy eh mehr "Bauch-Berchterstattung". Im Gegensatz zu der erzwungenen "Objektivität" der normalen
Medien ist eine gewünschte und auch praktizierte Subjektivität eine gute Alternative und entspricht, meiner Meinung
nach, auch eher dem Ansatz von Indy. Zumal sich die vermeintliche "Objektivität" der normalen Medien auch als eine
versteckte Subjektivität herrausstellt.
Nun, was will ich überhaupt sagen? Es ist ja dann doch wieder die Frage, wie Indymedia oder wie "die linke bzw.
linksradikale Szene" oder "Gegenkulturen" überhaupt zur Mainstreamberichterstattung stehen. Ist es wirklich wichtig
und sinnvoll "ein gutes Bild in den Medien" abzugeben? Wenn Indy eine Alternative zu normalen Medien sein will, so
muss sich Indy ja eigentlich nicht an deren Maßstäben messen. Natürlich ist es richtig und wichtig, auch für die/den
KonsumentIn ein entsprechend "ansprechendes" Bild zu bieten, aber ich finde, das tut Indy größtenteils jetzt schon.
Wenn Indy also auch für die "normalen Leute" eine Alternative sein will, so halte ich es für kontraproduktiv, sich
irgendwo anzubiedern, da Indy damit seinen Charakter als Alternative verliert. Indy soll ja den Unterschied zwischen
Medien-KonsumentInnen und Medien-ProduzentInnen verwischen, da finde ich es nur in Ordnung, wenn sich die Leute
erstmal auf Indy einlassen müssen und eben etwas bekommen, was NICHT so ist wie die restlichen Medien und zwar nicht
zufällig, sondern mit voller Absicht.
MrG
phost
Sebastian K. schrieb:
> Hallo nochmal
>
> Mich würde jetzt interessieren, wie die anderen auf der Liste denken. Meine Position und die der "Autonomen Antifa Freiburg" sind jetzt bekannt. Aber die Liste besteht ja aus mehreren Menschen. Ich habe meine Begweggründe offen gelegt und das genügt mir auch erst einmal.
> seb
>
> PS:
>
>
> Ich wende mich übrigens entschieden dagegen, daß die seit Jahren im Konsens von allen entschiedene und praktizierte Gestaktung der Seite als Zensur und Willkür einiger weniger diffamiert wird.
>