[Imc-germany] Sachlichkeit in der Lizenzdiskussion

init init at nadir.org
Fr Jul 16 14:58:15 PDT 2004


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Hallo zusammen, 

bisher hat mir die Diskussion um die unterschiedlichen 
Lizensierungsmöglichkeiten für Indy-Texte Spass gemacht.
Ich fand die Einwürfe und Bedenken (zB die aus dem debian-legal-Papier) 
gut und berechtigt. Bei allen Beteiligten schien ein Verständnis für den Sinn 
von Copyleft-Lizenzen und für die Problematik einer reinen 
"public domain"-Lösung zu bestehen. 

Ich hatte den Eindruck, dass sich alle, die sich geäußert haben, ein bisschen 
mit der Materie auseinandergesetzt hatten und sich Mühe gegeben haben, auf 
die bisherigen Postings einzugehen.

Deswegen weiss ich nicht so recht was ich mit den letzten beiden Beiträgen 
anfangen soll? 

Wer schreibt: "Im rechtlichen Sinne ist auch z.B. die soeben erschienene 
Broschüre der Roten Hilfe OG München zur Sicherheitskonferenz 2004 
kommerziell, da sie gegen Geld verkauft wird."

hat weder unsere jetzige basis-Lizenz (OPL) gelesen:
"You may at your option charge a fee for the media and/or handling involved in 
creating a unique copy of the OC for use offline," (1. Punkt mitte)

Noch hat er oder sie sich jemals die "Attribution-NonCommercial  2.0"
Lizenz der CreativeCommons durchgelesen.

"Sie dürfen die in Ziffer 3 gewährten Nutzungsrechte in keiner Weise 
verwenden, die hauptsächlich auf einen geschäftlichen Vorteil oder eine 
vertraglich geschuldete geldwerte Vergütung abzielt oder darauf gerichtet 
ist." ( 4b)

Selbst wenn die Inhalte, abweichend von der vorgeschlagenen neuen Basislizenz
(CC Attribution-ShareAlike 2.0), also unter der CC-NonCommercial Lizenz stehen 
würden, dürfte die Rote Hilfe sie gegen Geld verkaufen.

Ich finde es ziemlich schade, dass so argumentiert wird, weil es die 
Diskussion unmöglich macht, wenn nur radikale Haltungen und Attitütden 
aufgezählt werden, ohne auf die reale Situation einzugehen.

Die Autoren ziehen offensichtlich das Entlassen aller Inhalte in die "public 
domain" allen Copyleft-Lizenzen vor. Gehen aber mit keinem Satz wirklich auf 
die Problematik der Aneignung durch dritte im Rahmen einer Relizensierung von 
abgeleiteten Werken unter einer restriktiven Lizenz ein.

Der Satz "Freie Information für alle, sonst wird sie zur Ware ..."  macht das 
sehr schön deutlich. "free as in freedom or free as in free beer?"

Es ist doch grade die Idee von Copyleft-Lizenzen, der Information ihren 
Warencharakter zu nehem. Und anders als der "jeder darf alles damit 
mache"-Ansatz der "public domain"-Lösung, können copyleft-lizenzen 
verhindern, dass einstmals freie Information wieder zu Ware gemacht werden 
kann. 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Copyleft mehr auf Englisch 
http://en.wikipedia.org/wiki/Copyleft)

Allen, die sich für das Thema interessieren, kann ich die Webseiten des 
CreativeCommons-Projektes sehr empfehlen. 

http://creativecommons.org/learn/

schönen Gruß

init


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