[Imc-germany] Für ein echtes Indymedia-Netzwerk in Germany
P.
pete at so36.net
Mi Apr 12 17:21:12 PDT 2006
Hallo allerseits
Seit mehr als einem Jahr geistert das Thema Dezentralisierung über die
Mailinglisten und auf Treffen herum. Schon beim bundesweiten Treffen in
Erlangen vor einem Jahr wurde das britische Indymedia-Modell favorisiert:
lokale Indymediaseiten und lokale Regionen als Themenrubriken sollen
vermischt werden und so den dezentalen Netzwerkcharakter stärken...
Seitdem ist aber außer gelegentlichem Brainstorming nicht viel passiert und
der Vergleich der Entwicklungen von Indymedia in Frankreich mit dem in UK
oder Italien zeigt auch, daß das britische Modell vielleicht auch nicht weit
genug geht.
Ich habe in den letzten Wochen mit mehreren Berlinern gesprochen und mich im
gemeinsamen Konsenz mit ihnen entschieden, einen Vorschlag mit konkreter
Handlungsaufforderung auf der bundesweiten Liste herumzuschicken.
Deswegen jetzt
*trommelwirbel*
der Vorschlag:
Dezentralisierung von Indy.de nach dem Vorbild des Indymedia-Netzwerkes in
Frankreich, in Spanien, in Belgien oder in den USA. Die bundesweite Seite
besteht ab dann nur noch als Syndication-Seite nach dem Vorbild von
usa.indymedia.org
Um es nicht als vage Idee zu belassen, werfe ich einfach mal (ganz provokativ)
ein mögliches Datum für das Ende unseres zentralistischen Indy.de-Sauriers in
die Runde: Der 1.1.2007
Begründung:
Wir haben Probleme: Indymedia.de sieht sich derzeit mit heftigen Problemen
konfrontiert, die zum großen Teil mit dem zentralistischem und unbeweglichen
Charakter zu tun haben:
- Indymedia.de hat sich vom dezentralen Grassroots-Netzwerk, welches in den
sozialen Bewegungen verankert ist, wegbewegt. Teilweise geht der Kontakt zu
lokalen Gruppen und sozialen Netzen verloren. Von außen wird Indymedia als
Gruppe, Redaktion usw. wahrgenommen.
- Durch die einerseits zentrale und andererseits zerfaserte Struktur werden
Entscheidungsfindungsprozesse bei Indymedia immer undurchsichtiger. Es gibt
mehrere konkurrierende Enscheidungsfindungsstrukturen.
- Indymedia.de schafft es kaum neue Leute einzubinden, Indymedia.de wird eher
als Servicetruppe wahrgenommen, den einzelnen Indys wächst die Arbeit und die
Verantwortung über den Kopf
- Durch den fehlenden lokalen Bezug können Modgruppen häufig keine richtigen
Einschätzungen treffen. Woher soll eine berliner Modgruppe wissen, was sich
gerade mal wieder für ein Theater in der Antifaszene in Bodenseeregion
abspielt? Teilweise sind die Moderationsgruppen durch die Flut der vielen
Artikel auch einfach nur noch überfordert
- Indymedia als bundesweite zentralistische Organisation verdängt zunehemend
andere wichtige Kommunikationsstrukturen, die eigentlich durch Indymedia
vernetzt werden sollten. Dadurch wächst die Last der Verantwortung noch
weiter
- Indymedia als bundesweite zentralistische Organisation ist für viele
Politisekten, Parteien, Einzelpersonen mit Geltungsbedürfnis usw. als idealer
Absatzort für ihre Selbstdarstellungen geworden. In schlimmen Fällen auch als
Waffe gegen Konkurrenten.
- Indymedia als bundesweite zentralistische Organisation lässt sich leicht
kontrollieren und kann Repression gegenüber leichter zum Opfer fallen, zudem
schaffen es dominante Einzelpersonen erhebliche Macht (natürlich relativ
gesehen) auszuüben
- und schliesslich: Zentralismus widerspricht einfach dem Netzwerkgedanken: Es
gibt weltweit kein anderes Indymedia, welches für so viel "zuständig" ist,
wie indy.de
Vorteile der Dezentralisierung:
- An Frankreich ist es besonders schön zu sehen: die Gründung einzelner
regionaler IMCs hat das Netzwerk dort aufblühen lassen. Sehr viele Menschen
werden lokal eingebunden, einzelne Indymediakollektive sind überschaubar und
können sich regelmässig treffen.
- ein dezentrales Indymedianetzwerk ist insgesamt stärker, stabiler und
weniger anfällig gegenüber Störungen und Repression, ebenso gegenüber den
Versuch Indymedia zu kontrollieren
- lokale Indymedias sind natürlich auch besser in den lokalen sozialen
Strukturen verankert, sind flexibler und "persönlicher"
- die Aufhebung (oder zumindest Abschwächung) der oben genannten Probleme sind
natürlich auch Vorteile...
Sind wir in der Lage das zu schaffen?
Ich denke: ja. In NRW, Erfurt, Berlin, Sachsen, HH und Bayern (Nbg und
München) gibt es Indymediastrukturen, die in der Lage wären, lokale
Indymedias am Laufen zu halten. Ich denke, daß nach ein paar Aufrufen und
Veranstaltungen recht schnell neue Leute mitmachen werden.
Technisch: ein neues Indy aufzusetzen ist kein großes Problem, das geht recht
schnell und unkompliziert. Lediglich die Anmeldeprozedur ist mit ein bischen
"Bürokratie" verbunden, aber machbar.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: durch Beibehaltung des Chats, der
Mailinglisten, der bundesweiten Treffen usw. bleibt ja trotzdem die
bundesweite Struktur bestehen. Nur werden die ein
Und jetzt?
Wie gehen wir vor?
Zuerst natürlich: Ideen sammeln, vielleicht im Wiki? Auf der Mailingliste?
Dann: lokale Indystrukturen sollten sich vielleicht mal die nächsten
Tage/Wochen zusammensetzen und sich überlegen, ob sie sich in der Lage
fühlen, ein lokales Indy zu führen
Dann: lokale Indygruppen könnten am Selbstverständis usw. arbeiten, zum
Mitmachen aufrufen, Infoveranstaltungen machen und sich schliesslich bei
new-imc bewerben.
P.