[Imc-germany] Für ein echtes Indymedia-Netzwerk in Germany
P.
pete at so36.net
Fr Apr 14 15:02:34 PDT 2006
Hi
Nur kurz zu Deiner Frage: Ja, das ist möglich. Das ist das Modell von Indy.UK
basiert auf dieser Idee. Das praktische an diesem Modell: es gibt in UK neben
den Regional-Themenseiten auch eigenständige Indys, die aber dann in der
Regionen-Liste mit verlinkt sind (gucks Dir am besten mal an). Das war auch
der bisherige Wunsch-Konsenz bei Indy.de (seit dem Bwt in Erlangen vor 1
Jahr), den ich mit dem Radikal-Vorschlag in Frage gestellt habe. Auch, weil
sich bisher nichts in Richtung Umsetzung getan hat.
So, aber mehr will ich jetzt erst mal nicht schreiben, weils doof ist, wenn
ich die Diskussion dominiere. ;-)
P.
Am Freitag, 14. April 2006 21:07 schrieb malegria:
> Hallo,
>
> auch einige Gedanken von mir zur Frage der Dezentralisierung. Vorneweg:
> Ich bin gegen eine Dezentralisierung wie sie beschrieben wurde (das
> Modell mit vielen verschiedenen Indys) und für eine "Regionalisierung"
> der Website. So etwas wie eine teilweise Dezentralisierung, jedoch etwas
> weitergehend als bisher "gefordert". Zuerst gehe ich auf ein paar Punkte
> ein, dann versuche ich darzustellen, was ich damit meine.
>
> tigger:
> > wenn wir regionale newswire einrichten und es keinen bundsweiten
> > newswire mehr gibt geht meiner meinung nach die wahrnehmung der
> > einzelnen nachrichten zurück. sprich wer aus berlin kommt, wird nur noch
> > in ausnahmefällen sich die meldungen aus bayern anschauen und nur noch
> > in seiner regionalen suppe schwimmen. wenn jemand etwas bundesweit
> > verbreiten will, muß er/sie alle regionalen newswire damit "zuspammen"
> > was sicherlich auch nicht gern gesehen wird.
>
> Ich sehe das ähnlich: Durch eine komplette Dezentralisierung würden
> viele Nachrichten an Leserschaft verlieren, weil sie dafür mehrere
> Websites besuchen und kontinuierlich besuchen müssten. Ich sehe hier
> einen großen Vorteil der aktuellen Site gegenüber dezentralisierten
> Modellen in anderen Ländern.
>
> pete:
> > - Durch die einerseits zentrale und andererseits zerfaserte Struktur
> > werden Entscheidungsfindungsprozesse bei Indymedia immer
> > undurchsichtiger. Es gibt mehrere konkurrierende
> > Enscheidungsfindungsstrukturen.
>
> Das wäre ja lösbar dadurch, dass die Entscheidungsstrukturen (noch
> einmal) klargemacht werden und vielleicht mehr publiziert werden als
> bisher. Ich sehe die Dezentralisierung nicht als Lösung dieses Problems
> (auch wenn sie sie vielleicht erleichtern könnte).
>
> pete:
> >> - Indymedia.de schafft es kaum neue Leute einzubinden, Indymedia.de wird
> >> eher als Servicetruppe wahrgenommen, den einzelnen Indys wächst die
> >> Arbeit und die Verantwortung über den Kopf
>
> tigger:
> > zustimmung. aber wird es durch eine regionalisierung besser.
> > ich bin da eher skeptisch, weil auf die einzelnen leute mehr arbeit
> > zukommt. besser würde es nur, wenn in den jeweiligen städten/regionen
> > sich mehr leute an indy beteiligen. und da gehöre ich zu den pessimisten.
>
> Da stimme ich tigger zu: Ich glaube nicht, das dieses Problem durch die
> Gründung von neuen IMCs gelöst wird. Hierfür werden sicher mehr Leute
> gebraucht, als bei einer "Regionalisierung" der zentralen Seite.
> Vielmehr müssten wohl generell mehr Menschen zur Mitarbeit bei Indy
> motiviert werden. Vielleicht ist die Attraktivität bei lokalem Bezug
> höher, aber die kann auch auf anderen Wegen gewährleistet werden.
>
> pete:
> >> - Indymedia als bundesweite zentralistische Organisation ist für viele
> >> Politisekten, Parteien, Einzelpersonen mit Geltungsbedürfnis usw. als
> >> idealer Absatzort für ihre Selbstdarstellungen geworden. In schlimmen
> >> Fällen auch als Waffe gegen Konkurrenten.
>
> tigger:
> > ja, aber (die berühmte zustimmung mit dem aber hinter dem komma) wird
> > das durch regionale seiten besser? oder nimmt die gefahr zu? immerhin
> > sind die mods dann lokal besser verankert und können direkt einbezogen
> > werden (warum habt ihr unser posting versteckt? ihr mögt die anderen
> > doch mehr als uns!). solche sachen haben bei keinem indy was verloren.
>
> Stimme tigger zu: solche Probleme würden vielleicht verlagert, aber
> nicht gelöst.
>
> pete:
> >> - Indymedia als bundesweite zentralistische Organisation lässt sich
> >> leicht kontrollieren und kann Repression gegenüber leichter zum Opfer
> >> fallen, zudem schaffen es dominante Einzelpersonen erhebliche Macht
> >> (natürlich relativ gesehen) auszuüben
>
> tigger:
> > dominante einzelpersonen können auch regionale strukturen dominieren.
> > die frage ist, was schwerer wiegt. die dominanz über eine bundesweite
> > oder über eine regionale struktur?
>
> Die Frage ist außerdem auch, ob die regionalen Strukturen nicht sogar
> leichter zu dominieren wären, einfach weil sie kleiner sind.
>
> tigger:
> > eine stärke der bundesweiten indy-seite sehe ich eben auch in den
> > bundesweiten leserschaft, die die seite hat. diese mediale stärke würde
> > bei einer totalen dezentralisierung verloren gehen.
>
> Zustimmung.
>
>
> Ok, nun zu einem Alternativvorschlag, der vielleicht Spinnerei ist, weil
> ich nicht sicher bin, inwieweit das technisch umzusetzen ist. Aus dem
> Grund geht diese Mail auch an die Technikliste.
>
> Die Idee ist im Grunde genommen eine Regionalisierung bei beibehaltung
> der zentralen Seite. Jedoch fände ich es sehr gut, über die Einrichtung
> von Regionen-Rubriken neben dem Themen-Rubriken hinauszugehen. Wäre es
> nicht denkbar, weitere "Startseiten" einzurichten, die dann
> regionalspezifischer sind? ZB würden in der Rubrik "NRW", "Berlin", "XY"
> dann Features, ein Newswire und ein Open Posting erscheinen, in denen
> aber nur die Artikel mit dem entsprechenden Regionalen Bezug erscheinen.
> Auch ein etwas verändertes Design der regionalen Seiten könnte ja
> möglich sein. Die entsprechenden regionalen Moderationsgruppen könnten
> verantwortlich für "ihre" Seite sein, dort die Features gestalten etc.
> Trotzdem gäbe es noch die bundesweite Seite mit ihren Features und ihrem
> Newswire. So würden die regionalen Seiten einerseits als Filter dienen,
> andererseits aber auch die Möglichkeit bieten, regionale Themen
> hervorzuheben. Die Arbeit würde so verteilt, jedoch nicht doppelt
> gemacht (die Moderation von Artikeln und Ergänzungen könnte trotzdem
> durch alle geschehen). Das ganze ist natürlich nur eine Idee und noch
> unausgegoren, ich fände etwas in der Richtung aber wesentlich besser als
> mehrere, technisch voneinander unabhängige IMCs.
>
> Vielleicht können sich ja mal welche von den TechnikerInnen dazu äußern.
>
> Soviel für den Moment.
> (((i))) malegría