[Imc-germany] Für ein echtes Indymedia-Netzwerk in Germany
Stefan
PapaBaer at riseup.net
Mo Apr 17 07:47:18 PDT 2006
Hallo alle,
jetzt auch mal von mir den ersten Senf dazu. Ich bin für ein dezentrales
Indymedia. Die Entscheidung in Erfurt ein eigenständiges IMC zu gründen und
sich nicht "nur" an Indy-De zu beteiligen ist bewusst gefallen. Ich sehe
folgende Voteile:
- Regionale Kollektive sind viel stärker in regionale Strukturen eingebunden.
Wir kennen die aktiven Gruppen in Thüringen zum Teil persönlich, können
problemlos auch an Plena teilnehmen und Ressourcen gemeinsam nutzen.
- Menschen in der Region lernen Indymedia besser kennen, wir können vor Ort
Konzepte erklären und bei vielen regionalen Ereignissen Indymedia-Arbeit
leisten (Fest der Völker in Jena, Tag der Einheit in Erfurt, Nazi-Demos, ...)
Durch den persönlichen Kontakt steigt sowohl das Interesse an, als auch die
Akzeptanz von Indymedia.
- Das Indy-Kollektiv kennt sich besser, die Stabilität erhöht sich. Wir sehen
uns auch oft außerhalb der Indymedia-Arbeit und treffen uns regelmäßig
persönlich. IRC, Mailinglisten, ... dienen nur der Organisation, nicht der
Kontaktpflege.
- Wir können Situationen vor Ort besser einschätzen, wissen schneller, was
wichtig ist und sind vielleicht sogar selbst anwesend.
- Es können Dinge gemacht werden, die nicht so einfach über das Netz
machbar sind (gemeinsam einen Film drehen, Filme zeigen, Workshops, ...)
- Auch ganz wichtig: Die Schwelle mit einer Gruppe ein eigenes Kollektiv zu
gründen ist viel niedriger, als sich an eine andere anzuschließen (von wegen
Hierarchien und so, wissend <-> unwissend, ...)
- Und letztendlich: die Entscheidung dezentral oder zentral fällt bei neuen
Kollektiven sowieso in den regionalen Gruppen und nicht bei Indy-De,
Für eine eventuelle Dezentralisierung unterscheide ich zwei grundlegend
verschiedene Ansätze:
1. Dezentralisierung von "oben", d.h. das bestehende
Indy-De-Kollektiv "beschließt" eine Dezentralisierung und überdenkt die
nötigen Konzepte. Nach gemeinsamer Diskussion wird das beste Konzept
übernommen und umgesetzt. Die aktuelle Diskussion läuft eher in diesem Sinne.
2. Dezentralisierung von "unten" d.h. unabhängig vom Indy-De-Kollektiv werden
neue Kollektive mit regionalem Ansatz gegründet und durchlaufen ihren jeweils
eigenen Entstehungsprozess, treffen eigene Entscheidungen und werden sich auf
diesem Wege auch Schritt für Schritt mit anderen IMCs vernetzen. Die Realität
scheint im Moment eher so zu laufen.
Während im ersten Modell eine sinnvolle Struktur diskutiert und geschaffen
werden kann, ist dies im zweiten Modell nahezu unmöglich (z.B. benutzt
Indy-De die Software MIR, Indy-Ef wird sf-active benutzen, ...), da kein
neues IMC nur auf Grund seiner geografischen Lage auf eine vorgegebene
Struktur festgelegt werden kann.
In der Realität werden wir, so wir uns für gezielte Dezentralisierung
entscheiden, mit beiden Formen umgehen müssen, da zum einen aus dem
bestehendem Netz regionale Kollektive hervogehen können, sich zum anderen
aber (hoffentlich) neue regionale IMCs gründen.
Was ich eigentlich sagen will: Dezentralisierung finde ich super. Die aktuelle
Diskussion kann nur für Kollektive stehen, die sich aus der derzeitigen
Situation aus Indy-De heraus bilden. Die gefundene Lösung muss aber so offen
sein, dass sie auch neue Kollektive mit vielleicht vollkommen anderen
Konzepten zulässt und ihnen nicht den Weg verbaut.
Stefan
-------------- nächster Teil --------------
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