[Imc-germany] Freiheit-Statt-Angst-Demo unterstützen?
alex
alex at riseup.net
Di Jul 31 11:43:04 PDT 2007
On 07-31 18:28, init wrote:
> http://www.freiheitstattangst.de/
> Ich schlage deswegen vor, die Initiative durch einen Banner auf der
> Startseite von indymedia zu unterstützen.
die intention dieser demo finde ich unterstuetzenswert, das politische
verstaendnis vom organisierenden "arbeitskreis" jedoch nicht.
der arbeitskreis ist erstmal ein sehr heterogener haufen, in dem extrem
viele politischen ansichten existieren, hauptsache eine mehr oder
weniger umfassende ablehnung von ueberwachung ist der vermeintliche
konsens. dadurch entsteht eine art beliebigkeit, sowie ein mangel an
theoretischer reflexion und politischer perspektive.
ich habe durchaus einige kritikpunkte am arbeitskreis und dieser demo:
- begriffliche fehltritte wie das motto "freiheit statt angst", der
"ueberwachungswahn" vom aufruf, der slogan "wollt ihr die totale
ueberwachung?" [1] oder gar "stasi 2.0" [2] zeugen, um das mal
hoeflich auszudruecken, nicht gerade von politischer sensibilitaet
oder gar einem ausgepraegten geschichtsbewusstsein.
- das ziel vieler durch aktionen wie die demo scheint es zu sein, den
deutschen rechtsstaat zu retten, der ja neben der ganzen ueberwachung
super toll ist. falls es nicht klar ist, warum das nicht reicht,
erklaert es ein bei einer vorherigen demo dieser art verteiltes
flugblatt gerne nochmal: [3]
- man ist sich nichtmal zu schade, alle drei opositionsparteien im
bundestag als offizielle unterstuetzer der demo aufzunehmen. dass
mindestens fdp und gruene mit verantwortlich fuer die im aufruf
geforderte "unabhängige Überprüfung aller seit 1968 beschlossenen
Überwachungsgesetze" sind, verschaerft die these mit dem
geschichtsbewusstsein in meinen augen nochmal.
- eine mangelnde abgrenzung gibt es ebenfalls gegen nazis. eine grosse
deutsche nazi-webseite nimmt aktiv an der "online-demo" [4] teil und
einzelne ortsgrupen bzw. verbaende von nazis haben auch fuer
vergangene demos dieser art aufgerufen. darauf angesprochen fallen im
arbeitskreis kommentare wie "nazis sind bloed, aber wie sollen wir das
denn verhindern"? schliesslich koenne in einer demokratie ja
prinzipiell jeder an einer demo teilnehmen. dass von mir bereits
kritisierte punkte bewirken, dass nazis auch inhaltlich mit der demo
konform gehen koennen, wird nicht reflektiert.
- vielmehr gibt es neuerdings pauschale abgrenzungen gegenueber "der
antifa" und dem "schwarzen block". gespenstische legenden ueber den
ursprung "der antifa (tm)" werden da aufgetan und alles links des
parteipolitischen rahmens erzeugt skurrile angst- und feindbilder.
erst kuerzlich kuendigte man an, dass sich ein schwuler "rosa block"
auf keinen fall vermummen darf, da man vermummte personen praeventiv
von der demo ausschliessen will, eh die polizei ueberhaupt etwas sagt:
"Also sagt allen potenziellen Teilnehmern und Gruppierungen bitte klar
im Vorfeld, dass weder Vermummung noch gar Gewalt oder ähnlicher
"ziviler Ungehorsam" geduldet werden. Wer damit nicht einverstanden
ist, soll gleich wegbleiben."
all diese punkte lassen mich doch stark zweifeln, ob indymedia diese
demo unterstuetzen soll. denn dass es durchaus anders geht, zeigte die
demo "Gegen Überwachungsgesellschaft und Sicherheitswahn" in leipzig im
jahr 2000: [5]
1. http://img390.imageshack.us/img390/1980/totaleueberwachungvh8.gif
2. http://usrportage.de/archives/797-Stasi-2.0.html
3. http://littlesisters.blogsport.de/
4. http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Online-Demo
5. http://www.nadir.org/nadir/initiativ/bgr/kampagne/save/
--
alex
-i was cured, all right!
-------------- nächster Teil --------------
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